Manchmal kauft man ein Motorrad nur, um von A nach B zu kommen. Und manchmal kauft man ein Motorrad, das jede Fahrt zu einem Ereignis macht. Meine BMW R18 Transcontinental gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Seit ich sie habe, hat sich mein Verständnis vom Motorradfahren verändert. Es geht nicht mehr um die Jagd nach der nächsten Kurve oder dem ultimativen Top-Speed – es geht um pure Souveränität.
Das Herzstück: Ein Traum von einem Motor Fangen wir mit dem Wichtigsten an: dem Motor. Der „Big Boxer“ ist nicht einfach nur ein Antriebsaggregat, er ist eine Naturgewalt. Wenn man den Startknopf drückt und die 1.802 Kubikzentimeter zum Leben erwachen, geht ein Ruck durch die Maschine (und durch den Fahrer), der einem sofort klarmacht: Hier arbeitet massiver Maschinenbau. Das Fahrgefühl ist ein absoluter Traum. Es ist dieses tiefe, satte Grollen und das unfassbare Drehmoment schon knapp über dem Standgas, das mich jedes Mal aufs Neue begeistert. Man „fährt“ nicht einfach, man surft auf einer Drehmomentwoge. Auf der Autobahn gleitet sie dahin wie ein Ozeandampfer, völlig unaufgeregt und stabil. Es ist diese entspannte Kraft, die süchtig macht.
Ein Magnet für Blicke Was mich aber fast noch mehr überrascht hat als die Fahrleistungen, ist die Außenwirkung. Ich habe schon viele Motorräder besessen, aber keines hat solche Reaktionen hervorgerufen. Wenn ich mit der Transcontinental durch eine Ortschaft rolle, spüre ich förmlich, wie sich die Köpfe drehen. Es sind nicht diese genervten Blicke, die manchen lauten Sportmaschinen hinterhergeworfen werden. Es sind Blicke voller Bewunderung und Respekt. Man sieht den Leuten an, dass sie die Ästhetik der Maschine genießen. Daumen gehen nach oben, Kinder zeigen auf das Motorrad, und Autofahrer lassen einen an Kreuzungen vor, nur um die Maschine länger betrachten zu können. Man fühlt sich ein bisschen wie der Kapitän auf einer Parade.
"Darf ich mal fragen...?" Der klassische Look ist dabei der ultimative Eisbrecher. Die R18 Transcontinental sieht aus, als wäre sie direkt aus einer goldenen Ära des Motorradbaus in die Zukunft gereist, ohne dabei altbacken zu wirken. Die riesige Verkleidung, die elegante Linienführung, der viele Chrom – das alles strahlt eine Wertigkeit aus, die heute selten geworden ist. Das führt dazu, dass ich eigentlich nie „schnell mal“ tanken kann. Sobald ich an der Zapfsäule stehe oder auf einem Rastplatz parke, dauert es meist keine zwei Minuten, bis ich angesprochen werde. Wildfremde Menschen kommen auf mich zu. Die Fragen ähneln sich oft: „Ist die neu oder ein Oldtimer?“, „Wie viel Hubraum hat die denn?“, „Die ist ja wunderschön!“. Es entstehen die tollsten Gespräche, oft auch mit Leuten, die selbst gar kein Motorrad fahren, aber einfach diesen klassischen Stil zu schätzen wissen. Die Maschine verbindet.
Fazit Für mich ist die R18 Transcontinental mehr als nur ein Motorrad. Sie ist ein Statement für Entschleunigung und Genuss. Sie fordert einen nicht, sie trägt einen. Wenn ich sie nach einer Tour in der Garage abstelle und das Knistern des abkühlenden Metalls höre, schaue ich sie mir oft noch einmal an und denke: Alles richtig gemacht.
